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Philosophische Lebenskunst

Die Kunst ein philosophisches Leben zu führen, ist die Kunst, reflexive Distanz zur alltäglichen Getriebenheit zu gewinnen, selbst denkend aus den Verstrickungen des Alltags herauszutreten. Wie die Philosophie überhaupt hat auch die Philosophische Lebenskunst ihren Ursprung in der griechischen Antike. Sie erwuchs dem Bestreben, die Seele von Ängsten, von Begierden, von allem, was zwanghaft auf ihr lastet, zu befreien. Dabei suchten die Philosophen, dem Verständnis von Philosophie gemäß, nach einer völlig neuen Art der Lebensführung. Sie ergingen sich nicht in allerlei rituellen Reinigungen ihrer Seele, frönten auch kein stilles Leben im Glauben, suchten ihr Heil in keiner meditativen Versenkung und begaben sich auch auf keine esoterischen Streifzüge in geheime Regionen ihres Ich. Der Philosoph sucht Emanzipation durch Aufklärung - selbst denken. Ein philosophisches Leben ist ein Leben im Streben nach Wissen, aus dessen Tiefen Vernunft und mit dieser auch Gelassenheit und Genuss erwachsen. Mithin: Philosophie als Lebensform ist eine Geisteshaltung, die erlernen kann, wem ein Nachdenken über den Sinn des eigenen Tuns und Anstrengungen des Begriffes nicht fremd sind.

Das Konzept der philosophischen werkstatt orientiert auch hier auf die Aufklärung von Möglichkeiten. Nicht um die Entdeckung einer vermeintlichen Wahrheit, von irgendwelchen Schichten, die in den Tiefen unseres Selbst verborgenen sind, oder eines uns bedrängenden alter ego geht es, sondern darum, mögliche (keineswegs beliebige) Perspektiven auf unsere Lebenswelt und uns selbst zu erkunden, das Spektrum möglicher Deutungen auszuloten. Gleichsam in einem Gedankenexperiment kann jeder für sich überprüfen, ob eine als bedrängend erlebte Situation nicht gerade deshalb das Gefühl, einem Zwang ausgesetzt zu sein, hervorrief, weil sie auf nur eine Interpretation fixiert schien, und ob diese Situation retrospektiv nicht auch für andere Deutungen offen war bzw. ist. Damit werden keine imaginären Welten aufgebaut, der Wirklichkeit wird nur ihre scheinbare Verbindlichkeit genommen.

Ein freies suchendes und entwerfendes Denken erschließt die Wirklichkeit als offenes Gestaltungsfeld. Philosophische Lebenskunst entfaltet sich über die Fähigkeit, aus reflexiver Distanz die eigene Lebenswelt als Fülle von Möglichkeiten zu entdecken, selbst denkend, im Zustand der Bewusstheit Vielfalt zu erschließen und aus diesem Zustand heraus zum Ursprung der eigenen Entscheidungen und Handlungen zu werden. Wer beim Denken Freude empfindet, dem wird sie Genuss bereiten.


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Kontakt: Dr. Helmut Gebauer – helmut.gebauer[at]philosophischewerkstatt[.]de
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